Nullenzirkel und Fallnullenzirkel
Für besonders große sowie besonders kleine Durchmesser gibt es spezielle Zirkel. Ein professionelles Zirkelbesteck für Technische Zeichner enthält daher neben einem herkömmlichen Zirkel diverses Zubehör. Ein solches ist der Nullenzirkel bzw. der Fallnullenzirkel – der präzise Zirkel für kleine Kreise. Seine Erfindung geht auf Emil Oscar Richter (E.O. Richter & Co GmbH) zurück und setzte sich weltweit als wichtiges Zeichenwerkzeug durch.

Der Nullenzirkel ist geeignet, um Radien von etwa 0,1 mm bis 1 mm, teilweise sogar bis 15 mm zu ziehen. Der Fallzirkel verfügt dafür über diverse Stellrädchen, mit denen man das Arbeitswerkzeug äußerst präzise einstellen kann. Einige Modelle sind mit einer Feststellvorrichtung versehen, damit sich beim Zeichnen der benötigte Radius nicht verstellt.

Fallnullenzirkel: Zwei unterschiedliche Zirkelschenkel

Nullenzirkel sowie Fallnullenzirkel besitzen andere Zirkelschenkel als herkömmliche Zirkel. Das wichtigste Bauteil ist dabei der Hauptschenkel, dessen durchgängige Zirkelnadel als feststehende Achse fungiert. Am Zirkelkopf ist eine Punktierfeder platziert, die man mit dem Zeigefinger auf das Reißbrett drückt. Um sie herum wird mit Daumen und Mittelfinger der zweite Schenkel des Zirkels geführt.

Dieser zweite Zirkelschenkel kann durch diverse Stellrädchen exakt auf den benötigten Radius einstellt und fixiert werden. Auch die Höhe der Zeichenspitze ist individuell einzustellen, damit der Nullenzirkel im rechten Winkel zum Untergrund steht. Der besagte zweite Schenkel „fällt“ auf das Blatt, um den Kreis zu reißen. Daher rührt auch die Bezeichnung Fallnullenzirkel. Der zweite, mit Bleistift oder Tusche zeichnende Zirkelschenkel berührt nur leicht das Transparentpapier bzw. den Zeichenkarton.

Fallnullenzirkel mit Tuschaufsatz

rotring und Haff bieten den Fallnullenzirkel mit spezieller Aufnahme für Rapidograph und Isograph an. Dieser ersetzt die klassische Reißfeder, mit der in Tusche kleinste Kreise gezogen werden können. Alternativ zum Tuschfüller kann auch der rotring Bleieinsatz verwendet werden. Das umständliche Hantieren mit Fallminen und Tuschefass entfällt somit vollständig. Dennoch stellt das Reißen mit Nullenzirkeln eine Herausforderung dar, so dass Übungen unumgänglich sind.

Umgang mit Fallnullenzirkel üben

Um mit dem Fallnullenzirkel zu zeichnen, bedarf es noch mehr Übung, als beim Zeichnen mit dem Standardzirkel. Der Druckpunkt muss konsequent im rechten Winkel zum Transparent gehalten werden, während der Zeichenschenkel vom Nullenzirkel um die Achse geführt wird. Jede noch so geringe Schieflage lässt ein Oval entstehen und es kommt unweigerlich zu intolerablen Abweichungen zur Toleranz.

Eine weitere Schwierigkeit ist darin zu sehen, dass der Nullenzirkel bei Tuschzeichnungen zügig geführt werden muss, damit die Tusche nicht überschüssig wird. Präzises Reißen von kleinen Kreisen erfordert verhältnismäßig viel Übung. Erste Zeichenübungen sollten zunächst auf einer plan liegenden Zeichenplatte ausgeführt werden, um ein Grundgefühl für den Umgang mit dem Fallnullenzirkel zu bekommen. Erst bei Sicherheit kann auf das Reißbrett gewechselt werden, dessen Schräglage die korrekte Zirkelhaltung erschwert.

Ziehfeder heute kaum noch in Gebrauch

Vielen Zirkelkästen liegt auch heute noch eine so genannte Ziehfeder bei. Diese kann stellvertretend für den modernen Tuschefüller eingesetzt werden, was jedoch nicht mehr den heutigen Gepflogenheiten bei Konstruktionen entspricht. Im modernen Konstruktionsbüro und der Arbeit am Reißbrett verwendet man heute so gut wie kein Tuschefass mehr, um die Reißfeder mit Tusche zu befüllen.

Für kleine Kreise wird inzwischen fast immer auf den Fallnullenzirkel verzichtet, stattdessen kommen Kreisschablonen zum Einsatz. Sie bieten bei fachlich korrekter Anwendung mehr Präzision als der Nullenzirkel und somit sind genauere Kreise (Form und Maß) einfacher zu zeichnen; zudem ist die Zeitersparnis im Vergleich zur Verwendung von Nullenzirkel bzw. Fallnullenzirkel nicht zu verachten.

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